Das Niederländische Glaubensbekenntnis – 24.Woche

11. Juni 2010

Artikel 35 – Von dem Mahle des Herrn

Wir glauben auch und bekennen, daß der Herr Jesus Christus, unser Erlöser, das heilige Sakrament seines Mahles eingesetzt hat, damit er dadurch nähre und erhalte diejenigen, welche er schon wiedergeboren und in seine Familie, nämlich die Kirche, aufgenommen hat. Diejenigen aber, welche wiedergeboren sind, haben ein doppeltes Leben in sich: ein fleischliches und zeitliches, das sie schon von ihrer ersten Geburt an mit sich brachten, und dies ist allen Menschen gemeinsam; ein anderes geistiges und himmlisches, das ihnen bei der zweiten Geburt geschenkt wird, welches durch das Wort des Evangeliums in der Vereinigung mit dem Leibe Christi geschieht, und dies Leben ist nicht allen gemeinsam, sondern nur den Auserwählten Gottes. Wie aber Gott das irdische und wirkliche Brot als geeignet zur Erhaltung dieses fleischlichen und irdischen Lebens verordnet hat, das, wie das Leben selbst, allen gemeinsam ist, so hat Gott auch zur Erhaltung des geistigen und himmlischen Lebens, das den Gläubigen eigen ist, das lebendig machende Brot gesandt, das vom Himmel stieg, nämlich Jesus Christus; dieser nährt und erhält das geistige Leben der Gläubigen, wenn er genossen, das ist im Geiste durch den Glauben aufgenommen und empfangen wird. Damit Christus uns aber dies geistige oder himmlische Brot bildlich mache oder darstelle, hat er Brot und Wein, irdisch und sichtbar, zum Sakrament seines Leibes und Blutes angeordnet, um uns dadurch zu bezeugen, daß wir, so wahr wir dieses Sakrament empfangen und in unsern Händen halten und es mit dem Munde genießen (wodurch auch nachher dies unser Leben erhalten wird), so wahr auch durch den Glauben (der unsrer Seele statt Hand und Mund dient) den wahren Leib und das wahre Blut Christi empfangen in unserm Geiste, zur Ernährung des geistigen Lebens in uns. Es ist aber ganz gewiß, daß Christus uns dies Sakrament nicht ohne Ursache so sorgfältig empfiehlt, da es in uns das wirklich vollbringt, was er uns in diesen Zeichen darstellt, obgleich die Weise die Fassung unsres Geistes übersteigt und von keinem eingesehen werden kann, da nämlich die Wirkung des Heiligen Geistes verborgen und unerfaßlich ist; indes werden wir keineswegs irren, wenn wir sagen, es geschehe durch den Glauben. Wir sagen daher, daß das, was genossen wird, der ganz eigentliche, natürliche Leib Christi sei, und das, was getrunken wird, sein wahres Blut; aber das Werkzeug oder Mittel, wodurch wir dies essen und trinken, ist nicht der leibliche Mund, sondern unser Geist selbst, und zwar durch den Glauben.

Christus thront daher immer zur Rechten des Vaters im Himmel, teilt sich jedoch uns deshalb nicht weniger durch den Glauben mit. Ferner ist dies Mahl der geistige Tisch, auf dem Christus sich uns selbst mit allen seinen Gütern zur Teilnahme darbietet und macht, daß wir an diesem sowohl seiner als des Verdienstes seines Leidens und Todes genießen. Denn unsre elende und niedergeschlagene und von allem Troste verlassene Seele nährt, stärkt und tröstet er durch das Essen seines Fleisches; und auf gleiche Weise erhält und erfrischt er sie durch das Trinken seines Blutes. Außerdem wird, obwohl die Sakramente mit dem Bezeichneten selbst verbunden sind, doch dies beides nicht von allen empfangen. Der Gottlose empfängt zwar das Sakrament zu seiner Verdammnis, aber die Sache selbst oder die Wahrheit des Sakraments empfängt er nicht. Zum Beispiel Judas und Simon der Magier empfingen zwar beide das Sakrament, keineswegs aber Christum selbst, der damit bezeichnet wurde, da er den Gläubigen allein mitgeteilt wird. Zuletzt nehmen wir an diesem heiligen Sakramente in der Gemeinschaft des Volkes Gottes mit aller Demut und Ehrfurcht teil, indem wir das Andenken des Todes Christi, unsres Erlösers, mit Danksagung heiligfeiern und das Bekenntnis des christlichen Glaubens und Religion öffentlich ablegen. Niemand darf daher an diesen Tisch treten, der sich nicht vorher geprüft hat, damit er nicht, von diesem Brote essend und von diesem Kelche trinkend, sich selbst das Gericht und Verdammnis esse und trinke. Durch den Gebrauch dieses Sakraments wird ferner die heißeste Liebe sowohl gegen Gott als gegen den Nächsten entzündet. Deshalb verwerfen wir hier mit Recht alle Verspottungen und verwerflichen Erdichtungen (die man den Sakramenten hinzugefügt und beigemischt hat) wie wahre Entweihungen und behaupten, daß alle Frommen mit der Ordnung und dem Gebrauche allein, den Christus und die Apostel uns gelehrt haben, zufrieden sein und von diesen Geheimnissen ebenso reden müssen als jene geredet haben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: