Die Lehrregel von Dordrecht – 26.Woche

28. Juni 2010

Artikel 4

Zwar ist nach dem Fall im Menschen noch ein gewisses Licht der Natur übriggeblieben, wodurch er einige Kenntnis von Gott, von den natürlichen Dingen, von dem Unterschied zwischen dem, was sich geziemt und nicht geziemt, behält und auch der Tugend und äußeren Zucht noch eine gewisse Beachtung schenkt. Jedoch ist es so weit davon entfernt, daß der Mensch durch dies Licht der Natur zu der seligmachenden Erkenntnis Gottes kommen könnte und sich zu ihm bekehren, daß er selbst in natürlichen und bürgerlichen Dingen von diesem Licht keinen rechten Gebrauch macht, es vielmehr, von welcher Art es auch sei, auf verschiedene Weise völlig besudelt und in Ungerechtigkeit niederhält. Und weil er dies tut, wird ihm jede Entschuldigung vor Gott genommen.

Artikel 5

Wie mit dem Licht der Natur, so verhält es sich auch mit dem Gesetz der zehn Gebote, das Gott durch Mose besonders den Juden gab. Denn weil dies zwar die Größe der Sünde aufdeckt und den Menschen mehr und mehr von seiner Schuld überzeugt, aber das Heilmittel dagegen nicht anweist, noch irgendwelche Kräfte verleiht, aus diesem Elend herauszukommen, und weil es also, durch das Fleisch kraftlos geworden, den Übertreter unter dem Fluch läßt, kann der Mensch dadurch die seligmachende Gnade nicht erlangen.

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