Die Lehrregel von Dordrecht – 31.Woche

2. August 2010

Artikel 15

Diese Gnade ist Gott niemandem schuldig; denn was sollte er schuldig sein dem, der ihm nichts zuvor geben kann, das ihm wiedervergolten würde? Ja, was sollte Gott dem schuldig sein, der von sich selbst nichts als Sünde und Lüge hat? Wer daher diese Gnade empfängt, schuldet Gott dafür ewigen Dank und dankt ihm auch dafür. Wer diese Gnade nicht empfängt, achtet auch diese geistlichen Dinge überhaupt nicht und ist selbstgefällig, oder er rühmt sich – sorglos und eitel – zu besitzen, was er nicht besitzt. Von denen aber, die ihren Glauben äußerlich bekennen und ihr Leben bessern, muß man nach dem Vorbild der Apostel das beste annehmen und sagen: denn das Innere des Herzens ist uns unbekannt. Was die anderen anbelangt, die noch nicht berufen sind, so muß man für sie zu Gott beten, der das, was nicht ist, ruft, daß es sei, und wir dürfen uns keineswegs stolz über sie erheben, als ob wir uns selbst ausgesondert hätten.

Artikel 16

Doch wie der Mensch durch den Fall nicht aufgehört hat ein Mensch zu sein, mit Verstand und Willen begabt, und wie die Sünde, die das ganze menschliche Geschlecht durchdrang, die Natur des Menschen nicht aufgehoben, sondern verdorben und geistlich getötet hat, so wirkt auch diese göttliche Gnade der Wiedergeburt in den Menschen nicht wie in Stöcken und Blöcken (als ob sie tote Dinge wären), sie vernichtet den Willen und seine Eigenschaften nicht und zwingt sie nicht mit Gewalt gegen ihren Willen, sondern sie macht sie geistlich lebendig, heilt, bessert und beugt sie auf eine zugleich liebliche und kraftvolle Weise, so daß da, wo früher Widersetzlichkeit und der Widerstand ganz und gar überwogen, jetzt ein williger und aufrichtiger Gehorsam des Geistes beginnt, die Oberhand zu gewinnen, worin die wahre und geistliche Wiederherstellung und Freiheit unseres Willens liegen. Und wenn der wunderbare Werkmeister alles Guten nicht auf diese Weise mit uns handelt, würde der Mensch keinerlei Hoffnung haben, sich aus dem Fall durch seinen freien Willen, durch den er sich selbst, als er noch stand, ins Verderben stürzte, wieder erheben zu können.

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