Das Niederländische Glaubensbekenntnis – 35.Woche

27. August 2010

Artikel 14 – Von des Menschen Schöpfung, Fall und Verderbnis
Wir glauben, daß Gott den Menschen aus dem Kote der Erde nach seinem Bilde geschaffen hat, gut, gerecht und heilig und in allem durchaus vollkommen und fähig, nach seinem eignen Belieben seinen Willen nach dem Willen Gottes einzurichten und mit ihm übereinstimmend zu machen. Gott hat ihn geschaffen aus zwei Teilen bestehend, aus Körper und Seele, der Körper war aus der Erde gemacht, Atem und Leben aber hauchte ihm Gott ein, so daß der Mensch von solcher Vorzüglichkeit ist, daß der menschliche Geist dem nicht gewachsen ist, sie auszudrücken. Denn daß er so gewesen sei, daß ihm nichts mehr fehle, als daß er nicht Gott war, bezeugt David: »Mit Ehre und Zierde hast du ihn bekrönt.« Als er aber in der Ehre war, wußte er es nicht und erkannte seine Herrlichkeit nicht – er war dem Viehe ähnlich geworden -, sondern gab sich mit Wissen und Wollen der Sünde und infolgedessen dem Tode und der Verdammnis hin, als er, den Worten und Täuschungen des Teufels sein Ohr leihend, das Gebot des Lebens überschritt, das er von Gott empfangen hatte, und entfernte und entfremdete sich von Gott (seinem wahren Leben) durch die Sünde und verdarb seine ganze Natur und machte sie sündhaft. Dadurch machte er sich sowohl des leiblichen als des geistigen Todes schuldig, wurde gottlos und verkehrt und in allen seinen Wegen und Bestrebungen verdorben und verlor alle seine herrlichen Gaben, die er von Gott empfangen hatte, so daß ihm nur ganz kleine Funken derselben und Spuren geblieben sind, welche hinreichen, den Menschen alle Entschuldigung zu nehmen, aber keineswegs, um uns gut und Gott wohlgefällig zu machen, da alles Licht in uns in dunkle Finsternis verwandelt ist, wie die Schrift selbst lehrt, indem sie sagt: »Und das Licht scheinet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen.« Denn hier nennet Johannes die Menschen deutlich Finsternis. Und im Psalm wird gesagt: »Bei dir, HERR, ist der lebendige Brunnen; in deinem Lichte sehen wir das Licht.« Deshalb verwerfen wir mit Recht alles, was man hiergegen vom freien Willen des Menschen lehrt, da der Mensch ein Knecht der Sünde ist und nichts Gutes aus sich kann, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist. Denn wer möchte wagen, sich zu rühmen, daß er alles, was er wolle, leisten könne, da Christus selbst sagt: »Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, daß ihn der Vater ziehe, der mich gesandt hat«? Der heilige Paulus bezeugt, daß der natürliche Mensch so sei, wie ihn Adam in seinem Falle gemacht hat. Wer wollte sich mit seinem Willen brüsten, der einsieht, daß der Sinn des Fleisches eine Feindschaft ist wider Gott? Wer wollte sich seiner Einsicht rühmen, der weiß, daß der Mensch, der durch seine natürliche Seele allein geleitet wird, nicht fasset die Geheimnisse des Geistes Gottes? Überhaupt, wer wollte irgendeinen seiner Gedanken vorbringen, der weiß, daß wir nicht fähig sind, aus uns selbst irgend etwas zu denken, sondern daß alles das, wozu wir fähig sind, aus Gott ist? Denken ist noch weniger als tun. Gewiß und fest muß daher bleiben, was der Apostel gesagt hat: »Denn Gott ist es, der in euch wirket, beide das Wollen und das Tun, nach seinem Wohlgefallen.« Denn keine Einsicht und kein Wille ist mit dem Sinne und Willen Gottes übereinstimmend, den nicht Christus im Menschen gewirkt hat, was er uns selbst lehrt, indem er sagt: »Ohne mich könnt ihr nichts tun.« Christus sagt auch dies: »Ein jeder, der Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.« Wo ist daher sein freier Wille?

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