Die Lehrregel von Dordrecht – 49.Woche

6. Dezember 2010

Verwerfung der Irrtümer

Nach Darlegung der rechtgläubigen Lehre verwirft die Synode die Irrtümer derer:

5.

Die lehren: „Man könne in diesem Leben keine Gewißheit der zukünftigen Beharrung haben ohne besondere Offenbarung.“ Denn durch diese Lehre wird den wahrhaft Gläubigen der feste Trost in diesem Leben genommen und der Zweifel der päpstlich Gesinnten wieder in die Kirche eingeführt, während doch die Heilige Schrift die Gewißheit immer wieder nicht aus einer besonderen und außergewöhnlichen Offenbarung, sondern aus den Kennzeichen, die den Kindern Gottes eigen sind, und aus den sehr zuverlässigen Verheißungen Gottes ableitet; wie besonders der Apostel Paulus in Röm. 8,39 sagt: Keine Kreatur kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Und Johannes: Wer seine Gebote hält, der bleibt in ihm, und er in ihm. Und daran erkennen wir, daß er in uns bleibt: an dem Geist den er uns gegeben hat (1.Joh. 3,24).

6.

Die lehren: „Die Lehre von der Beharrung und der Gewißheit der Seligkeit sei ihrer Natur und ihrem Gehalt nach ein Ruhekissen des Fleisches und für die Gottesfurcht, die guten Sitten, Gebete und andere heilige Übungen schädlich; dagegen sei es lobenswert, daran zu zweifeln.“ Denn diese zeigen, daß sie die Kraft der göttlichen Gnade und die Wirkung des Heiligen Geistes, der in uns wohnt, nicht kennen und widersprechen dem Apostel Johannes, der in seinem ersten Brief mit klaren Worten das Gegenteil behauptet: Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder; und es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reinigt sich, gleichwie auch er rein ist (1.Joh. 3,2.3). Sie werden außerdem durch das Beispiel der Heiligen sowohl des Alten als auch des Neuen Testaments widerlegt, die, obwohl sie ihrer Beharrung und Seligkeit gewiß waren, doch in den Gebeten und anderen Übungen der Gottseligkeit beständig geblieben sind.

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