Die Lehrregel von Dordrecht – 3.Woche

19. Januar 2011

Artikel 5

Die Ursache oder die Schuld dieses Unglaubens, wie die auch aller anderen Sünden, liegt keineswegs in Gott, sondern im Menschen. Der Glaube aber an Jesus Christus und die Seligkeit durch ihn sind eine Gnadengabe Gottes, wie geschrieben steht: Aus Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es (Eph. 2,8). Und ebenfalls: Euch ist die Gnade gegeben, an Christus zu glauben (Phil 1,29).

Artikel 6

Daß Gott einigen in der Zeit den Glauben schenkt, anderen aber nicht, geht aus seinem ewigen Ratschluß hervor; denn ihm sind alle seine Werke von Ewigkeit her bekannt (Apg 15,18); und: Er wirkt alle Dinge nach dem Ratschluß seines Willens (Eph 1,11). Nach diesem Ratschluß erweicht er gnädig die Herzen der Auserwählten, obwohl sie hart sind, und neigt sie gnädig zum Glauben; diejenigen aber, die nicht erwählt sind, beläßt er nach seinem gerechten Urteil in ihrer Bosheit und Hartherzigkeit. Und hier erschließt sich uns besonders die tiefe, barmherzige und zugleich gerechte Unterscheidung der Menschen, die alle gleich verderbt sind, oder der Ratschluß der Erwählung und Verwerfung, im Worte Gottes geoffenbart. Es ist ein Ratschluß, den verkehrte, unreine und schwankende Menschen zu ihrem Verderben verdrehen, der aber den heiligen und gottesfürchtigen Seelen einen unaussprechlichen Trost gewährt.

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