Die Lehrregel von Dordrecht – 9.Woche

1. März 2011

Artikel 15

Diese ewige und unverdiente Gnade unserer Erwählung weist und preist uns die Schrift am meisten dadurch an, daß sie weiter bezeugt, daß nicht alle Menschen erwählt, sondern manche nicht erwählt und in Gottes ewiger Erwählung übergangen sind. Es sind diejenigen, über die Gott in seinem völlig freien, gerechten, untadeligen und unveränderlichen Wohlgefallen beschlossen hat, sie in dem gemeinsamen Elend, in das sie sich durch ihre eigene Schuld gestürzt haben, zu lassen, und sie nicht mit dem seligmachenden Glauben und der Gnade der Bekehrung zu beschenken, sondern sie auf ihren eigenen Wegen und unter seinem gerechten Urteil zu belassen, und sie schließlich nicht nur wegen des Unglaubens, sondern auch wegen aller übrigen Sünden, zum Erweis seiner Gerechtigkeit, zu verdammen und ewig zu strafen. Und dies ist der Ratschluß der Verwerfung, der Gott keineswegs zum Urheber der Sünde (was zu denken gotteslästerlich ist), sondern zu ihrem furchtbaren, untadeligen und gerechten Richter und Rächer macht.

Artikel 16

Diejenigen, die den lebendigen Glauben an Christus oder die sichere Zuflucht des Herzens, den Frieden des Gewissens, die Übung des kindlichen Gehorsams, den Ruhm in Gott durch Christus noch nicht kräftig in sich fühlen, aber doch die Mittel, durch die Gott verheißen hat, dies alles in uns zu wirken, gebrauchen, müssen – wenn sie von der Verwerfung hören – sich nicht entmutigen lassen, auch sich nicht zu den Verworfenen zählen, sondern im Gebrauch der Mittel eifrig fortfahren, die Stunde der reichlicheren Gnade heiß ersehnen und sie ehrfurchtsvoll und demütig erwarten. Viel weniger noch brauchen diejenigen von der Lehre der Verwerfung erschreckt zu werden, die ernsthaft begehren, sich zu Gott zu bekehren, ihm allein zu gefallen und von dem Leibe des Todes erlöst zu werden, trotzdem aber auf dem Wege der Gottseligkeit und des Glaubens noch nicht so weit kommen können, wie sie wohl wollten, weil der barmherzige Gott ja verheißen hat, den glimmenden Docht nicht auszulöschen und das zerstoßene Rohr nicht zu zerbrechen. Für diejenigen aber, die – Gott und unseren Heiland Jesus Christus nicht achtend – sich den Sorgen der Welt und den Wollüsten des Fleisches völlig überlassen, ist diese Lehre mit Recht schrecklich, solange sie sich nicht ernstlich zu Gott bekehren.

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